Version 1.0 Gerhard - Hermann Kuhlmann, März 2015

Aufzeichnungen von Martha Teutmeyer aus den Jahren 1944 - 1951

18. April 1945

Am 18. April kommt durch eine Kameradin Ullas die Nachricht, daß Ulla mit anderen Flakhelferinnen ausgerissen und auf dem Weg nach Hause sei.

19. April 1945

Wirklich kommt sie am 19.April 18.3o Uhr, ihrem Geburtstag, mit einer Freundin aus Oerlinghausen, von Heiligenkirchen heran.  In acht Tagesmärschen, zu 3o - 35 km, sind die Mädchen heimgewandert von Magdeburg, ihrer letzten Stellung. Von da hatte man sie entlassen mit der Weisung, vor den heranrückenden Amerikanern im Osten wieder Anschluß an die Armee zu suchen. Gott sei Dank waren die Mädels klug genug, nach Westen und nach Haus abzurücken.

20. April 1945

Der nächste Tag brachte abends um 22.3o, als das Haus längst schlief,  einen Russenüberfall. Eine Bande umherstreunender Russen hatte die kleine Haustür erbrochen,  schlich mit fünf Mann, mit Feuerzeug, Taschenlampe, Bajonett und Pistole die Treppe herauf, verlangte "Chef" zu sprechen und richtete den mit dem Bajonett am Kopfe derartig zu, daß er vier Wochen in ärztlicher Behandlung sein mußte. Zum Glück rief Hete geistesgegenwärtig aus dem Fenster: "Americans help!"  stieg dann mit Frau Vogt aus dem Esszimmerfenster und holte amerikanische Soldaten aus der Zentrale zu Hilfe. Nach kurzer Zeit, die Russen waren inzwischen längst geflüchtet, stand das ganze Haus voll Amerikaner, die sich alles erzählen liessen, dann mit ihrem Auto und ungeheurem Krach und wildem Geschiesse den Hermannsweg herauf in den Wald fuhren, die Einbrecher zu verfolgen und nachher durch Hiddesen zurückkamen.

Schiessen und Knallen kennzeichnete überhaupt die ganze Zeit der amerikanischen Besetzung. Sie waren wie Jungen, die am Morgen nach dem Weihnachtsabend alle ihre Spielsachen und Instrumente auf der Straße ausprobieren. Aber sie waren gutmütig und freundlich. In der Schanze wurden im Laufe der Ereignisse sämtliche Villen von den Amerikanern beschlagnahmt. Eine Familie Prof. Heukerodt und seine Schwägerin Frau Belli[1],  zogen oben in Frl. Nieländers Wohnung ein. Die Beziehung zu Krämers erwies sich leider sehr bald als Irrtum und konnte zum Glück nach manchem Ärger gelöst werden.



[1] Frau Belli war eine Sängerin. Sie lebte mit ihrem Lebensgefährten Professor Heukerodt in Detmold. Dieser war Musikprofessor in den Niederlanden gewesen (Cello) und verbrachte seinen Lebensabend in Detmold. Eine Schallplattenaufnahme von ihm findet man hier:

http://www.europeana.eu/portal/record/2023601/18CE654E0A4790959AD15937A57E592625AEA97E.html

Zum Hauptmenü