11.2.16 (Feldpostbrief)

Stempel Bruxelles
Briefstempel Brüssel
An Frl
Martha Ihle
Heiligenkirchen
Detmold
Lippe

Freitag nachmittag 4 Uhr

Meine liebe gute Martha!

Ich wüßte mich nicht zu entsinnen, daß ich im Leben gleich einen Tag verlebt hätte, wie den heutigen. Von furchtbarer Unruhe gequält, habe ich die heutige Post erwartet. Soeben bringt der Bursche als einzige Post eine Zeitung für mich. Schon gestern hätte ich nach Berechnung einen Brief von Dir haben können. Seit der Zeit ist es mir klar wie Du meinen langen Brief ausgelegt hast. Ich bin ganz verzweifelt, und leide furchtbar bei der Vorstellung auf welch unwürdige Art ich mit dem besten Herzen umgegangen bin. Ein Herz, daß lauter Liebe ist und lauter Liebe verdient. In der ehrlichen Absicht, daß ich ein ehrbares Mädchen nicht hintergehen wollte, schreibe ich, so offen ich immer war und unter Wirkung einer recht trüben Stimmung, in der ich mich jetzt öfter befinde, vielleicht mehr, wie es der Wahrheit entspricht. Ich bin konfus, wenn Grey ...................
Liebste, liebste Martha ich gab Dir mein Wort und halte es, wenn keine Unmöglichkeiten dazwischen treten. Ich wollt‘ dieser Brief hätte Flügel und berechne die Zeit und Stunde, in welcher Du ihn erhältst. Ich glaub ich habe fluch... ..... bin wahnsinnig übertrieben. Hat Betta oder vielleicht die Eltern nichts gemerkt? Darf ich hoffen jetzt wo mir meine Dummheit und Leichtsinn zutage tritt daß Du diesen Brief als solchen ansiehst und als ungeschehen betrachtest. (Schluß fehlt)

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Version 1.0 Gerhard - Hermann Kuhlmann, November 2005