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Version 1.0 Gerhard - Hermann Kuhlmann, Februar 2015

Notizen von Margarete (Hete) Teutmeyer aus den letzten Kriegstagen bis Ende 1945 04

5. April 1945

Unsere Polen und Russen arbeiten nicht mehr. Die Stallarbeiten machen wir alle selbst.  Aus Detmold geflüchtete Mütter von kleinen Kindern holen sich bei uns Milch, denn jegliche Versorgung ist eingestellt. Auf dem Hof sind unzählige fremde Polen und Russen, die sich einquartiert haben, sie holen sich von mir im Stall die Milch,  holen sich die Eier aus dem Stall und schlachten Hühner.

Jetzt wir Pani und ihr alle arbeiten!

Die zurückgelassenen Waffen, unten auf dem Hof, beängstigen uns, denn die Polen und Russen haben sich damit schon versorgt. Des­halb wird alles zusammengetragen und später, nach einem Zwischen­fall mit fremden Russen und Polen, von einem Amerikaner bewacht. Das Artilleriefeuer wurde gegen Morgen  immer weniger. Wir wohnen wieder in unserem Wohnhaus, nachdem wir den größten Dreck beseitigt haben.  Die SS hat sich an unseren Vorräten in Keller und Küche bedient. Als wir gerade beim Mittagessen sind, kommen 3 englische Soldaten und erklären uns,  daß wir in 3/4 Stunde das Haus verlassen haben müssen. Wir lassen alles stehen und liegen, jeder packt in aller Eile einige Sachen zusammen und wir ziehen wieder mit unseren Matratzen unten auf den Hof in Tante Bettas Wohnung.

Am 4.4. sahen Eva und ich eine Stute im Galopp durch die Gegend rennen, aufgeregt durch die Schießerei. Wir laufen hinterher und hätten sie fast an der Zollbrücke erreicht, aber wir dürfen nicht rüber,  das Pferd ist schon auf der anderen Seite. 2 deutsche Soldaten halten uns auf,  sie sind dabei die Brücke zu sprengen. Wir wollen sie davon abhalten, weil das doch völlig sinnlos ist, aber Befehl ist Befehl,  sie möchten schließlich nicht wegen Befehls­verweigerung erschossen werden in diesem Durcheinander. Wir warteten die Sprengung ab und kletterten über die restliche stehengebliebene Seite der Brücke auf die andere Seite. Wir erreichten die braune Stute am Blauen Steg und sie ließ sich, zitternd vor Angst, von uns auf den Hof bringen. Unsere Zwillingspferde hatten die SS-Leute vor ihren Verpflegungswagen gespannt und gaben uns dafür einen kleinen Zettel als Quittung.

Wir waren wütend,  aber da konnte man ja nichts machen.

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