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Version 1.0 Gerhard - Hermann Kuhlmann, Dezember 2005

"The lamps are going out all over Europe; we shall not see them lit again in our lifetime." (1),(2),(3)

Erst am 2. November 1914, ein Vierteljahr nach Kriegsausbruch, verkündete Großbritannien die Seeblockade gegen das Deutsche Reich und beendete damit den Seehandel der Neutralen mit Deutschland. Ab dem Winter 1916/17 "Steckrübenwinter" bedeutete das für den deutschen Machtbereich eine sich stetig verschärfende Krise der Nahrungsmittelversorgung mit weitverbreiteter Hungersnot.*

Aus britischer Perspektive war das eine Antwort auf die von deutscher Seite ausgehende Eskalation des Krieges.

Am 1. November 1914 hatte der Kalif von Istanbul als Oberhaupt aller Sunniten den Heiligen Krieg aller Muslime an der Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns gegen das Britische Weltreich, Rußland und Frankreich verkündet, nachdem es dem Deutschen Reich gelungen war, das Osmanische Reich in den Krieg hineinzuziehen.

Grey bemühte sich sehr um die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika und stimmte mit Präsident Wilsons Vision eines Völkerbundes zur Sicherung des Friedens und zur Durchsetzung des Völkerrechts überein.**

1916 unterstütze er eine Initiative des US Präsidenten für eine internationale Konferenz zur Beendigung des Krieges.

Am 7. Dezember 1916 schied Grey aus dem Kabinett aus. Er wurde einer der einflußreichsten Befürworter der Völkerbundes in Großbritannien und 1919 Generalsekretär dieser Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen.

* Aus der heutigen Perspektive ständiger europäischer Überproduktion an landwirtschaftlichen Gütern ist uns eine solche Situation schwer vorstellbar. Doch teilweise bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren Nahrungsmittelimporte zur Versorgung der europäischen Völker notwendig. Die Lösung war Steigerung der Produktion durch Rationalisierung und wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Die Zeitgenossen sahen eher ein Verteilungsproblem. "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!" Unproduktive Gesellschaftsklassen sollten beseitigt, Privateigentum verstaatlicht und die verbliebene Bevölkerung unter staatlicher Kontrolle zur kollektiven Abeit angeleitet werden. Imperialisten forderten Kolonien und die Eroberung der Gebiete anderer Länder. Rassisten die Ausrottung, Vertreibung und Versklavung anderer Völker.

** Dieser Weg zum Frieden wurde durch den deutschen Entschluß zum uneingeschränkten U-Bootkrieg am 1. Februar 1917 unmöglich. Es kam zu Zwischenfällen und am 6. April traten die Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg gegen das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien und das Osmanische Reich ein. Da in Rußland das autokratische Zarenregime durch die Februarrevolution von einer demokratischen Republik abgelöst worden war, erschien der Krieg jetzt aus US-Perspektive als demokratischer Befreiungskrieg.